Interview mit Tino Joffroy

interview mit tino joffroy

Hallo liebe Optionsfans! Das Interview mit Tino Joffroy, was ihr in diesem Blogpost findet, richtet sich an euch. Tino ist in der Community auch bekannt durch seinen Blog Finlog. Es war wirklich mega spannend die Meinung von einem Experten und langjährigen Investor zu gewissen Themen zu hören. Im Interview gibt es auch ein paar Einblicke in die persönliche Strategie von Tino. Seid gespannt und viel Spaß beim Lesen!

Wenn ich unter „Beruf“ eine Bezeichnung eintragen müsste, würde ich „Risk Manager“ wählen.

Tino Joffroy

Interview mit Tino Joffroy

Hi Tino! Schön, dass es heute mit diesem Interview geklappt hat. Aber stell dich doch mal kurz vor, für alle, die keine Ahnung haben, wer du bist und was du so machst?

Freut mich, dass ich hier dabei sein darf. Nach Schule und Bundeswehr habe ich ein paar Jahre als freier Journalist in Kassel gearbeitet. Dort habe ich 1996 eine Werbeagentur gegründet. Dann kam das Jahr 1997 und mein Einstieg an der Börse. Ich habe jede freie Minute neben meiner Arbeit für die Agentur investiert, um möglichst alles über Finanzen und das Börsengeschäft zu lernen und auszuprobieren. Klar hätte ich beim Ausprobieren auch einige Sachen weglassen können 😉 Aber man lernt ja vor allem bei den Dingen, die schieflaufen. Von daher habe ich ne Menge gelernt. Ab 2007 war ich für drei Jahre Manager eines Profi-Radteams. 2009 habe ich meinen Anteil an der Agentur verkauft und bin seitdem mein eigener Portfolio-Manager. 

Tino Joffroy

Kannst du uns deine Investmentstrategie erklären?

Ich habe im Börsengeschäft ja gefühlt alles mal probiert. Sparpläne, Kauf von Einzelaktien, Daytrading mit Futures, Forex-Handel, Swingtrading, CFDs, diverse Strategien: Momentum, antizyklisch, Pyramidisierung von Positionen, Fundamentalanalyse, Charttechnik… Nur an die Rohstoffe habe ich mich nie getraut.

Die Quintessenz aus allem ist, dass die einfachsten Dinge am besten funktionieren. OK, Optionen sind nicht einfach zu verstehen, aber wenn du die Basics drauf hast, kannst du unglaublich viele Strategien damit umsetzen. Für mich sind Optionen die Instrumente, die den größten Einsatzbereich haben. Um davon zu profitieren und vor allem, um den Überblick über das große Ganze nicht zu verlieren, halte ich es bei meiner Core-Strategie sehr einfach. Hier setze ich zu 90% auf ETFs und nur ganz wenige Einzelaktien.

Also noch mal in Kurzform: Das Zentrum bilden ETFs mit ein paar ausgewählten Aktien, und obendrauf setze ich Optionsstrategien für Cashflow und Spekulation.

Tino Joffroy

Ich verstehe mich ja noch als blutiger Anfänger was den Optionshandel angeht, finde es aber mit jedem Tag interessanter. Könntest du für Anfänger mal kurz und knapp erklären, was eine Option ist und wie man damit Geld verdienen kann?

Eine Option gibt dir als Käufer das Recht, ein bestimmtes Underlying für einen bestimmten Preis zu einem festgelegten Zeitpunkt zu erwerben. Underlyings sind zum Beispiel Aktien, ETFs, Futures auf Währungen oder Rohstoffe.

Als Verkäufer einer Option verpflichtest du dich umgekehrt, ein bestimmtes Underlying zu einem festgelegten Preis und an einem festgelegten Termin demjenigen zu liefern, der einen Anspruch darauf hat. Der Verkäufer einer Option muss dem Käufer der Option das Underlying liefern, wenn der sein Recht wahrnimmt.

Geld verdient man als Käufer einer Option, wenn das Underlying in die Richtung steigt, die man prognostiziert hat. Beim Kauf einer Call-Option setzt man auf steigende Kurse des Underlyings, bei Kauf einer Put-Option wettet man auf fallende Kurse. Liegst du mit deiner Einschätzung richtig und die Aktie bewegt sich in die angenommene Richtung, verdienst du Geld, weil deine gekaufte Option ebenfalls im Wert steigt – und zwar viel mehr als der zugrundeliegende Basiswert.

Bisschen verzwickt wird es, wenn du Verkäufer von Optionen bist. Hier musst du alles eben Gesagte gedanklich ins Gegenteil verkehren. Bist du Verkäufer einer Call-Option, dann willst du, dass das Underlying fällt oder sich seitwärts bewegt. Geld verdienst du, weil du für den Verkauf eine kleine Prämie erhalten hast. Wer etwas verkauft, bekommt Geld dafür – so ist das im Leben 🙂 Wenn dann alles so eintritt, wie du es dir vorgestellt hast und die Aktie fällt, dann verliert deine verkaufte Call-Option immer mehr an Wert, bis sie am Laufzeitende wertlos verfällt. Die eingenommene Prämie kannst du behalten. Sie ist dein Gewinn.

Verkaufst du eine Put-Option, setzt du darauf, dass der Wert, auf den sich die Option bezieht, steigt oder seitwärts tendiert. Auch hier dasselbe Spiel: Klappt alles nach deiner Einschätzung, verfällt die Option wertlos. Die Prämie, die du für den Verkauf der Put-Option eingenommen hast, behältst du.

Ich muss aber hinzufügen, dass die hier beschriebenen Verläufe das ideale Szenario widerspiegeln. Das klingt alles nach einem ganz einfachen Spiel, in dem man jede Menge Geld macht. Aber in der Praxis läuft das natürlich oft anders. Kurse von Aktien oder Währungen machen bekanntermaßen oft nicht das, was man als Optionshändler will 🙂

Tino Joffroy

Optionsstrategien gibt es ja eine ganze Menge. Hast du da Favoriten?

Ich verkaufe sehr gerne Strangles auf Aktien. Bei einem Strangle verkauft man gleichzeitig eine Call-Option über dem aktuellen Kurs einer Aktie und gleichzeitig eine Put-Option unter dem aktuellen Kurs einer Aktie. Vorteil ist, dass man zwei Optionen verkauft und sich dadurch die eingenommene Prämienzahlung erhöht. Außerdem verkaufe ich sogenannte gedeckte Optionen auf die wenigen Aktienpositionen in meinem Depot, um zusätzliches monatliches Einkommen zu erzielen oder um mir weitere Aktien zu einem günstigen Kurs einbuchen zu lassen.

Tino Joffroy

Um mal auf die aktuelle Situation an den Börsenplätzen dieser Welt zu sprechen zu kommen. Es jagt ja ein Rekord den nächsten, es gibt so viele IPOs wie noch nie und gefühlt ist jeder in Aktien investiert, der noch vor ein paar Monaten keinen Schimmer von der Materie hatte. Wie denkst du darüber und wie gehst du damit um?

Das aktuelle Geschehen erinnert mich sehr an die Jahre 1999 und 2000, als ich selbst erst kurze Zeit an der Börse aktiv war. Alle, die ich damals kannte, waren hysterisch und wie hypnotisiert von immer weiter steigenden Kursen. IPOs waren damals auch das große Ding. Man hatte gefühlt bei jeder Bank ein Depot, um neue Aktien zeichnen zu können, weil die bei ihrer ersten Notierung an der Börse tierisch nach oben schossen. Das war leicht verdientes Geld, wenn man verkauft hat. Aber die meisten haben damals nicht verkauft und werden das auch jetzt nicht tun. Alles wiederholt sich eben im Leben…

Ich bin durch meine Erfahrungen aus dem Crash von 2001 und dem Crash 2007/2008 aktuell sehr vorsichtig. Vielleicht bin ich zu vorsichtig und verpasse dadurch viele gute Chancen, aber das ist mir egal. Ich will einfach kein Geld verlieren, wenn es mal bergab geht. Geld habe ich früher genug verloren, deshalb hasse ich das inzwischen 🙂

Ich will ja nicht recht haben, ich will einfach nur regelmäßig Geld verdienen. Ich habe gelernt, dass du auf eine Sache genau achten musst in so einer Phase wie jetzt: Welches Risiko will ich eingehen? Wie viel bin ich bereit, zu verlieren? Außerdem versuche ich mich so gut es geht, dem Einfluss von Medien zu entziehen. Ich halte auch seit einem Jahr eine großen Anteil Cash und Anleihen. Damit kannste niemanden beeindrucken, aber ich verschaffe mir dadurch wenigstens einen Puffer im Depot, wenn es mal abwärts geht.

Tino Joffroy

Hat das auch irgendeine Auswirkung auf Optionen?

Optionen sind eine ganz eigene Disziplin und davon nicht betroffen. Das einzige Problem ist die aktuell sehr niedrige Volatilität, die beim Verkauf von Optionen negativ ist. Die Prämien sind dann kleiner. Bei hoher Volatilität kannst du höhere Einnahmen erzielen, wenn du Verkäufer von Optionen bist.

Tino Joffroy

Ein gewichtiger Punkt in deiner Anlagestrategie ist das Risikomanagement. Wie handelst du das genau?

Wenn ich unter „Beruf“ eine Bezeichnung eintragen müsste, würde ich „Risk Manager“ wählen. Ich bin der Risk Manager meines eigenen Portfolios. Risiko ist alles, was mich bei meinen Investments interessiert. Habe ich das Risiko im Griff, kommen Gewinne von ganz alleine. Da ich mittlerweile ein größeres Depot verwalte, berechne ich mein Risiko nicht nach den einzelnen Positionen, sondern eben auf das ganze Depot. Deshalb habe ich aktuell eine große Position Cash und auch Anleihen in Höhe von 35%. Meinen Aktienanteil habe ich in den letzten Monaten verringert. Was ich aktuell halte, sind Immobilienaktien, Energieaktien und nichtzyklische Konsumgüter.  

Tino Joffroy

Seit dem 1. Januar 2021 gibt es dank Herrn Scholz eine Gesetzesänderung, die vor allem auch den Optionshandel trifft. Genauer gesagt geht es um die Verlustverrechnungsbeschränkung, bei der die Verrechnung auf jährlich 20.000 EUR begrenzt wurde. Wie gehst du damit um? Betreibst du den Handel mit Optionen privat oder planst du zukünftig vielleicht über eine GmbH zu investieren? Dieses Thema interessiert mich gerade.

Das Gesetz ist schon ein ziemlicher Klopper. Absolut ungerecht, weil einseitig. Stell dir das mal bei Immobilien vor… Aber Derivate, zu denen Optionen gehören, handelt kaum jemand in Deutschland und deshalb gibt es keine Lobby dafür.

Auch wenn dieses Gesetz wieder gekippt werden sollte, wird das nicht vor 2022 geschehen. Solange muss jeder Derivatehändler damit klarkommen. Deshalb gleich ne GmbH zu gründen, halte ich für Aktionismus.

Meine Werbeagentur damals war eine GmbH, deshalb weiß ich, dass das auch nicht alles so easy ist, wie jetzt einige „Berater“ behaupten. Grundsätzlich ist eine Trading GmbH für größere Konten von Vorteil, wenn ich mir die Gewinne nicht entnehme. In der GmbH habe ich dann einen erheblichen Steuervorteil, was die Gewinne angeht. Aber wenn ich an die erzielten Gewinne privat ran will, habe ich das gleiche Problem wie ein privater Trader. Außerdem kriegst du eine GmbH auch nicht geschenkt. Die laufenden Kosten sind schon hoch und gehen von deinen erzielten Gewinnen ab. Du musst also erst mal rund 5.000 EUR im Jahr machen, um nur die Kosten für eine GmbH zu erwirtschaften.

Ich handle zurzeit alles privat. Die 20.000 EUR Verlustobergrenze pro Jahr sind total daneben, aber mit meiner Strategie komme ich nicht mal annähernd an diese Grenze. 

Tino Joffroy

Da ich auch in diesem Bereich investiere, hast du eine Meinung zu P2P-Krediten, Crowdfunding etc.?

Dazu habe ich gar keine Meinung, weil ich mich noch nicht damit beschäftigt habe. Crowdfunding finde ich vom Gedanken her sehr demokratisch. So können sich viele innovative, kleine Gründer und Unternehmer finanzieren, ohne bei einer Bank auf Knien rutschen zu müssen. Aber ich habe es bisher weder von der einen noch von der anderen Seite ausprobiert.

Tino Joffroy

Dann möchte ich mal Danke sagen für dieses Interview. Ich konnte daraus einige sehr interessante Punkte mitnehmen und hoffe für die Leser ist es auch interessant!

Gerne wieder Philipp!

Tino Joffroy

finlog.online

Hier will ich auch noch mal auf Finlog, den Blog von Tino, verweisen. Dort gibt es wirklich viele einzigartige Blogbeiträge, z. B. zu Mindset und Risikomanagement für euch, die auch mal zum Nachdenken anregen. Auch bei Instagram und Twitter ist Tino sehr aktiv. Schaut mal vorbei!


Infos zu neuen Projekten auf Twitter, Facebook und Instagram

In eigener Sache möchte ich noch erwähnen, dass ich auch über auf Twitter (kaph1016) und Instagram (investdiversified) immer wieder neue Projekte vorstelle, in die ich selbst investiere. Auch auf Facebook bin ich mit einer Seite vertreten. Weiterhin gibt es auch ein paar Einblicke, wie ich in anderen Bereichen investiert bin. Folgt mir doch einfach!

*Einige Links in meinen Beiträgen sind Affiliate- bzw. Referral-Links. Das bedeutet ich erhalte einen kleinen Obolus. Für jeden der diese Links nutzt entstehen aber keinerlei Kosten oder andere Nachteile. Im Gegenteil, meistens gibt es einen Startbonus oder Cashback. Sofern es möglich ist, verwende ich auch nur die Angebote, bei denen es auch etwas für euch gibt. Wenn ihr diese Links also nutzt, unterstützt ihr meinen Blog und dafür sage ich schon mal im Voraus Danke!

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5 Kommentare

    1. Hi David ‍♂️,

      schön, dass du hier vorbeigeschaut hast. Es freut mich, wenn das Interview einen Mehrwert gebracht hat 🙂

      VG
      Philipp

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